Du bist hier: Home | Anleitung: Baumhaus befestigen | Welcher Baum eignet sich am besten?

Baut man ein Baumhaus, so ist der Baum Träger, Stütze und Fundament zugleich – daher ist ein fundiertes Wissen über den Baum essenziell!

1. Der beste Baum

Wichtig: Beim Baumhausbau gibt es keinen „am besten geeigneten Baum“. Die individuelle Holzqualität variiert von Spezies zu Spezies, von Standort zu Standort, von Baum zu Baum, aber auch innerhalb ein und desselben Baumes. Einfluss haben vor allem Klima, Witterung, Bodenqualität & Exposition.

Jeder Baum ist ein Unikat!

Hat man dies verinnerlicht, gibt es natürlich Baumarten die besser für den Baumhausbau geeignet sind als andere – das belegen Studien aus der Forstwissenschaft, der Baumbiologie und Baumstatik.

Gut sind folgende Holzeigenschaften:

  • hohe Holzfestigkeit
  • gute Wundabschottung
  • schneller Anbau von Reaktionsholz
  • hohe durchschnittliche Lebensdauer
  • großer zu erwartender Stammumfang
  • gerade wachsender Stamm
  • robuste Borke

Wir haben diese Eigenschaften analysiert und in einer Liste zusammengefasst; sie zeigt uns welche Bäume besonders gut für den Baumhausbau geeignet sind:

Hervorragend geeignet sind vor allem Laubbäume wie Buche, Eiche, Linde, Ahorn, Esche, und Edelkastanie, sowie Nadelbäume wie Lärche, Kiefer, Douglasie und Tanne.

Weniger geeignet sind, als alleinige Trägerbäume, Birke und in der Liste darunter liegende Baumarten.

2. Der Mindest-Stammdurchmesser

Der MSD wird auf Höhe der Plattform gemessen (Mittelwert); Er sollte mindestens 30 cm sein, beim Hauptträgerbaum oder einem allein tragenden Baum besser 45 cm.

Ein großer Durchmesser bedeutet:

  • Der Baum ist erwachsen & resistent
  • Er kann Extremsituationen standhalten (Stürme, Trockenzeiten, Astausbrüche, Hagelschaden, …)
  • Er kann sehr große Lasten aufnehmen und ist weniger schwingungsanfällig
  • Ist der Baum ausgewachsen, verbraucht er weniger Energie für das Höhenwachstum; er baut Sicherheitsreserven auf und nutzt diese gezielt für Wundheilung und den Anbau von Reaktionsholz
  • Bei Bohrungen ist der prozentuale Anteil des verletzten Gewebes geringer

Für den Baumhausbau bedeutet das, der Baum muss um so massiver sein:

  • Je größer die Belastung ist (Eigenlast, Wind, Schnee)
  • Je mehr Schrauben in einem Baum gesetzt werden
  • Je höher das Baumhaus im Baum befestigt wird
  • Je schlechter die Baumart für den Baumhausbau geeignet ist
  • Je schlechter der allgemeine Zustand des Baumes ist

Folgende Tabelle veranschaulicht die Überlegungen zum Mindest-Stammdurchmesser:

Mindest-Stammdurchmesser Hauptträgerbaum 45cm
Mindest-Stammdurchmesser Nebenbaum 30cm
Eignung nach obiger Liste Birke oder schlechter +5cm
Baumhaus sehr groß und schwer +5cm
Plattform höher als 5 m –> je weiterem Meter +3cm
Ungewöhnliche Schneelasten und Stürme (Bergkämme, Küstenregionen, …) +3cm
Anzahl der Schrauben > 1 –> je weiterer Schraube +3cm

Diese Werte dienen als Orientierungshilfe, und sollten je nach Situation vor Ort individuell angepasst werden.

3. Der Gesundheitszustand – wie erkenne ich ob der Baum vital ist?

Jahrzehnte des professionellen Baumhausbauens haben gezeigt, dass Bäume ein Baumhaus nicht abstoßen, sondern dieses mit der Zeit als festen Bestandteil in ihr Leben einbinden. Dies kostet den Baum Energie, die folglich an anderen Stellen fehlen wird. Doch wie erkenne ich ob der Baum gesund ist und über ausreichend Energiereserven verfügt?

Für private und kleinere Baumhausprojekte ist eine visuelle Bewertung des Baumes ausreichend.

Man sieht ob der Baum gesund oder krank ist.

Ähnlich wie beim Menschen (Körperhaltung, Hautbild, Haare, Narben, …), gibt es auch bei Baum sichtbare Anzeichen für einen schlechten Gesundheitszustand:

  • ungesundes Kronenbild (wenig und unregelmäßige Belaubung)
  • viele Totholzäste (ohne Laub)
  • längliche Risse
  • ungesund absterbende Rinde (Schädlingsbefall!)
  • Specht (Insektenbefall!)
  • übermäßig viel Moos
  • hohler Klang (Klopfprobe mit Hammer)
  • viele Sekundärtriebe (neue „Paniktriebe“ mitten aus dem Stamm)
  • Pilzfruchtkörper -> hier auf keinen Fall bauen!!!

Beobachten Sie neben dem Baum unbedingt auch dessen Standort und Umfeld – Vorsicht bei:

  • sehr weichen Böden (schwaches Wurzelsystem)
  • sehr nassen Böden oder Überschwemmungsgebieten
  • Bäumen in Steilhängen
  • Bäumen auf Felsen
  • Pilz- oder Insektenbefall an benachbarten Bäumen
  • bei artspezifischer Krankheit z.B. Eschen- und Ulmensterben, Kastanie (Miniermotte) und Fichte (Borkenkäfer)!
  • krummwüchsiger, schiefer Stamm

Baumhäuser sollten nur in geradwüchsige und absolut vitale Bäume gebaut werden.

Bestehen Zweifel am Gesundheitszustand des gewählten Baumes, oder handelt es sich um ein öffentliches oder besonders großes Projekt, verständige auf jeden Fall einen Baumbiologen oder Baumgutachter.

Treffe deine Entscheidungen stets zu Gunsten des Baumes, verkleinere gegebenenfalls das Baumhaus oder benutze Stelzen zur Verankerung.

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