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Wie befestigt man ein Baumhaus sicher und schonend im Baum? Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Verankerungen, und erklären deren Anwendungsgebiete sowie Vor- und Nachteile.

Eines sollte klar sein: der Baum steht an erster Stelle! Er ist nicht nur die Säule die unser Baumhaus trägt, er ist vor allem ein wertvoller Organismus, den man nicht unnötig verletzen sollte. Schäden durch falsche Befestigungen treten oft erst Jahrzehnte später ans Tageslicht. Damit auch die Urgroßenkel noch Freude am Baumhaus haben, ist es wichtig, die unterschiedlichen Verbindungsmittel und deren Einsatzgebiet genau zu kennen.

Finger weg von Nägeln, normalen Holzschrauben oder Ähnlichem aus dem Baumarkt, mit einem Durchmesser < 20 mm! Diese sind nicht ausgelegt für die hohe Wechselbelastung im Baum, und können plötzlich versagen. Auch raten wir streng davon ab, die Qualität der Schrauben durch Quantität zu ersetzten – der Baum dankt!

Vermeiden Sie auch klemmende Verfahren (Klemm- bzw. Zangentechnik) bei denen Trägerbalken direkt an die Borke gepresst werden. Die in Kletterwäldern sehr beliebte Technik führt langzeitig zu Quetschungen, behindertem Wachstum und Sollbruchstellen. An der Kontaktzone kann sich Staunässe sammeln – so können die Holzbalken verfaulen, und eine Schwachstelle entsteht.

Quetschungen entstehen auch durch umschlingende Seile und Stahlmanschetten, welche nicht regelmäßig nachjustiert werden. Die Folge ist eine gestörte Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes, im schlimmsten Fall stirbt dieser oder bricht an der Einschnürung ab.

Eine weitere Möglichkeit ist das direkte Auflegen des Trägerbalkens auf eine Astgabel oder einen Zwiesel. Diese Konstruktion ist nur für kleinere Lasten geeignet. Die Gabelung muss sehr massiv sein. Denken Sie daran, dass es auch hier zu Quetschungen, Staunässe und Rindabrieb kommen kann.

Wir empfehlen all diese Methoden nur für temporäre Installationen < 3 Jahre!

Die ersten Baumschrauben wurden schon vor etwa 25 Jahren unter dem Namen “Garnier Limb” und “Treehouse Attachment Bolt” auf den Markt gebracht – so begann die Erfolgsgeschichte des modernen Baumhausbaus.

Grundidee der Schraube ist es, einen natürlichen Ast nachzuahmen. Die Verletzung am Baum ist punktuell und ähnelt der eines Astausbruchs, d.h. der Baum weiß genau auf Verletzungen dieser Art zu reagieren: er versiegelt die Wunde, lagert pilzhemmende Stoffe ein, und bildet stärkeres Reaktionsholz. Der “künstliche Ast” wird Jahr für Jahr weiter umwallt, und nach einiger Zeit wird die Schraube fester Bestandteil des Baumes.

Da man eine Wunde erzeugt, sollte der Trägerbaum ein gutes Abschottungsvermögen und eine gute Wundreaktion haben. Er muss vital sein und darf im Bereich der Schraube keine Innenfäule haben. Mehr Infos: “Der geeignete Baum”

Untersuchungen an Baumhäusern und in Kletterwäldern haben ergeben, dass schraubende Verfahren dem Baum auf Dauer weniger Schaden zufügen als umschlingende und pressende Verfahren.

Vorteile:

  • Altbewährte & praxiserprobte Befestigungstechnik
  • Freies Dickenwachstum – keine Quetschung und Einschnürung
  • Last wird direkt in den Stamm eingeleitet –> hohe Belastbarkeit
  • Sehr wartungsarm
  • Viel Zubehör – Schrauben können nachträglich erweitert werden
  • Unabhängig von Wuchsform – viel Freiraum bei der Gestaltung
  • Ein Versagen kündigt sich langsam an, durch plastische Verformung in Holz
  • Unscheinbar – Ästhetische Nachahmung von Ast

Nachteile:

  • Tragfähigkeit lässt in weichen Hölzern nach
  • Hohe Kosten

Anwendungsgebiet:

  • Universell anwendbar ab Stammdurchmesser d = 30 cm (GTS Friend & Top), ab d = 40 cm (GTS Allstar)
  • Bei dauerhafter Installation > 20 Jahre
  • Maximale Sicherheit bei maximaler Belastung

Eine sehr elegante & verletzungsarme Methode ist das Abhängen der Träger mittels Seil. Das System besteht aus drei Teilen:

  • Baumhalteschlaufe (auch Baumschongurt bzw. Baumpflegeschlaufe)
  • Seil & Spannschloss (Stahl bzw. Dyneema)
  • Verankerung am Trägerbalken (z.B. Ringmutter + Schlossschraube)

Die Baumhalteschlaufe wird um einen Zwiesel (am besten U-Zwiesel) oder eine stabile Astgabelung gelegt. Das Seil wird mittels Spannschloss auf Spannung gebracht. Der Ankerpunkt sollte möglichst zentral am Hauptstamm liegen, so werden die Lasten direkt in diesen eingeleitet, und die Konstruktion beginnt im Wind nicht zum schwanken. Vermeiden Sie große Hebelarme und achten Sie darauf, dass der Seilverlauf möglichst vertikal ist.

Gut geeignet sind Bäume mit einer dicken, robusten Borke (tote Rinde), z.B. Eichen und Kastanien. Weniger geeignet sind z.B. Buchen, da ihre sehr dünne Rinde wenig Abriebschutz bietet.

Einen Überblick der am besten geeignetsten Baumarten finden Sie hier.

Vorteile:

  • Keine offene Wunde
  • Geringe Kosten
  • Sehr große Lastaufnahme bei direkter Einleitung in den Stamm (4 – 8 Tonnen)
  • Baum kann sich frei bewegen
  • Schlaufe muss nicht an Baumwachstum angepasst werden
  • Falls Quetschung, dann nur oberseitig
  • Nachträgliche Höhenanpassung über Spannschloss möglich
  • Großer Planungsfreiraum
  • Auch nachrüstbar

Nachteile:

  • Bei Sturm schwingungsanfällig
  • Baumschlaufen wachsen u.U. mit der Zeit ein
  • Versagen von Seil, Zwiesel und Astgabel kann abrupt, ohne sichtbare Vorankündigung, geschehen (Baumschrauben zeigen ihr Versagen dagegen durch langsame Verformung an)
  • Seilverlauf kann stören
  • Baumschlaufen müssen laut DIN alle 8 Jahre ausgetauscht werden

Anwendungsgebiet:

  • Außen liegende Astgabel & V-Zwiesel –> geringe Lasten
  • Direkt am Hauptstamm & U-Zwiesel –> große Belastung möglich
  • Alternative zu Baumschrauben bei sehr weichen Hölzern (Weide, …)
  • Hervorragend geeignet für temporäre Installationen

Dies ist eine von amerikanischen Baumhausbauern häufig genutzte Variante um Seile am Baum zu befestigen; auch in der Baumpflege und Baumkronensicherung wird diese Technik häufig angewendet. Dabei bohrt man ein 20-30 mm starkes Loch horizontal durch den gesamten Stamm. Anschließend schiebt man eine passende Gewindestange durch das Loch, und befestigt an einer Seite eine große Beilagscheibe & Mutter, am gegenüberliegenden Ende eine Ringmutter – dies ist der Anschlagspunkt für das Seil.

Vorteile:

  • Sehr hoher Ausziehwiderstand
  • Wird gut überwallt

Nachteile:

  • Je dicker der Stamm, desto aufwändiger die Montage: Sehr langer Bohrer nötig, schwere Handhabung
  • Kern wird durchbohrt, Kernfäule kann sich in zwei Richtungen ausbreiten

Anwendungsgebiet:

  • Leichte, horizontale Abspannungen

Manschetten bestehen meist aus einem zweiteiligem Stahlring, welcher den Baumstamm umfasst; die Technik funktioniert ähnlich wie ein Gürtel über Anpressdruck. Seitlich sind Stahlprofile angeschweißt, an denen die Trägerkonstruktion des Baumhauses befestigt wird. Um ein Verrutschen zu verhindern kann die Manschette zusätzlich mit Schrauben am Baum befestigt werden. Damit der Baum nicht abgeschnürt wird, sollte der Stahlring alle paar Jahre dem Dickenwachstum des Baumes anpassen werden. Interessant sind Manschetten vor allem bei allein stehenden Bäumen, deren Stammdurchmesser nicht mehr viel größer wird.

Vorteile:

  • Keine offene Wunde (falls keine Sicherungsschrauben)
  • Last wird direkt in den Stamm eingeleitet
  • Hohe Belastung möglich

Nachteile:

  • Montage erfordert sehr viel Erfahrung
  • Teure Sonderanfertigung vom Schlosser
  • Mühsames Nachjustieren alle 3 – 5 Jahre
  • Gefahr von flächiger Quetschung am Hauptstamm –> komplettes Leitungssystem beeinträchtigt, Sollbruchstelle

Anwendungsgebiet:

  • Baumhaus in geradem Baum mit rundem Stamm
  • Ausgewachsener Baum – Stammdurchmesser wird nicht mehr viel größer
  • Baum mit robuster Borke
  • Als Alternative zur Seilabhängung, und Schraube in sehr weichen Hölzern (falls keine geeigneter Befestigungspunkt für Baumschlaufe vorhanden)

Stelzen kommen überall zum Einsatz, wo man an Bedenken hat, an der Tragfähigkeit und der Vitalität des Baumes. Um den Baum nicht zu überlasten, ist eine Kombination aus Stelzen und anderen Befestigungsmethoden oft das einzig Sinnvolle. Je nach Dimensionierung der Stelzen können extrem hohe Lasten aufgenommen werden; das ermöglicht wiederum den Einsatz schwererer Materialien, welche gerade im Luxusbereich sehr reizvoll sind (Steinplatten, Massivholz, Badewanne,…).

Vorteile:

  • Einfache Montage
  • Lastaufnahme quasi unbegrenzt –> schwere Bauweise möglich
  • Baumstamm wird nicht verletzt
  • Statisch leicht berechenbar und sehr sicher –> optimal für öffentliche Projekte
  • Keine Einwände von Naturschützern

Nachteile:

  • Kein “echtes, schwebendes Baumhaus”
  • Stützen und Aussteifungen stören Ästhetik
  • Wurzelschäden durch Betonfundamente

Anwendungsgebiet:

  • Stelzenhäuser können um jeden beliebigen Baum errichtet werden
  • Überall wo Baum zu klein, zu krumm, zu alt, zu schwach ist
  • Bei sehr weichen Hölzern (Weide, etc…)
  • In Kombination mit anderen Befestigungsmethoden

Achtung bei den Fundamentearbeiten! Auch wenn es im Verborgenen geschieht, sind Wurzelverletzungen mindestens genauso schlimm wie das Absägen von Ästen. Wurzelschäden sollten vor allem in unmittelbarer Nähe zum Stamm vermieden werden ( 1 – 1,5 m)!

Nachfolgende Tabelle zeigt die Auswertung einer Befragung von 16 professionellen Baumhausbauern und 2 Baumbiologen (Bachelorarbeit Onja, Stand 2017):

Kriterium Seilabhängung mit Baumschlaufe Baumhausschraube (Standardmodell TAB) Durchbolzen Manschette
Schutz vor Verletzungen ++++ +++ ++ +
Einfache Montagemöglichkeit ++++ +++ ++ +
Anpassungsmöglichkeit an Dickenwachstum ++++ ++++ +++ ++
Wartungsaufwand ++ ++++ ++++ +
Kosten $ $$ $ $$$
Stabilität +++++ +++++ ++++  ++++
Sicherheit +++++ ++++ ++++ +++++

Wie aus der obigen Gegenüberstellung ersichtlich wird, gibt es keine “perfekte Verankerungsmethode”. Jede hat ihre klaren Vor- und Nachteile. Auch wird man vor Ort nicht immer den perfekten Baum finden. Deshalb muss bei jedem Projekt individuell entschieden werden. Der Baum sollte ausgewachsen und gesund sein, sich frei bewegen können und das Dickenwachstum sollte mit eingeplant werden. Da die mechanischen und statischen Eigenschaften vom lebenden Baum schwer abschätzbar sind, sollten die Befestigungen nicht bis an ihre Grenzen belastet werden (Sicherheitsfaktor > 2).

Zwar sind umschlingende Methoden auf den ersten Blick baumschonender, doch besteht bei ihnen stets die Gefahr einer großflächigen Einschnürung. Verletzende Methoden wirken anfangs abschreckend, sind jedoch nachhaltiger und sicherer. Der große Vorteil ist, dass der Baum das Stahlteil fest in seine Lebenssituation integriert. Zudem wird die Wunde – im Gegensatz zum Astausbruch – direkt versiegelt. Bäume haben über Jahrmillionen Strategien entwickelt um mit solchen Wunden umzugehen.

Weltweit haben sich die Baumhausschrauben als die effizienteste und vielseitigste Befestigung bewährt!

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