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Baum(haus)statik | Wie groß und schwer darf mein Baumhaus werden?

Sie wollen ein Baumhaus bauen und sind sich nicht sicher wie groß und wie schwer es werden darf? Hier finden Sie die wichtigsten Grundlagen der Baum(haus)statik:

Ein Baumhaus ist für einen Baum wie ein großer Rucksack für einen Menschen. Je nach Statur und Fitness des Menschen, und je nach Umgebung, kann man einen mehr oder weniger großen Rucksack tragen ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten. Trägt man den Rucksack dann eine Weile, gewöhnt der Körper sich an dessen Gewicht, und baut gezielt Muskeln auf - ganz ähnlich verhält es sich bei einem Baum.

Wie schwer ist ein fertiges Baumhaus?

Die Last eines Baumhauses setzt sich zusammen aus:

  • Eigengewicht (Holz, Dachdeckung, Fenster, Möbel, etc.)
  • Verkehrslast (Personenansammlungen)
  • Sonstige Lasten (Schnee, Regen, Sturm)

Alle Lasten müssen in Summe in die Trägerkonstruktion eingeleitet, und in den Boden abgetragen werden. Dies geschieht entweder direkt über den Baum und dessen Wurzeln oder über eine künstliche, einbetonierte Stütze. Die Last sollte dabei möglichst gleichmäßig auf die einzelnen Verbindungsmittel und Träger verteilt werden.

Auch die horizontale Windlast spielt eine bedeutende Rolle, denn die Wände des Baumhauses wirken wie ein Segel. In Bodennähe sind Windgeschwindigkeit und Hebelarm kleiner; je niedriger das Baumhaus also im Baum befestigt wird, desto größer kann es dimensioniert werden. Damit der Baum keine Drehbewegung erfährt, sollte das Haus möglichst gleichmäßig um den Stamm gebaut werden.

Besondere Beachtung gilt der Schneelast in schneereichen Regionen, diese kann teils mit über 500kg/m² angesetzt werden! Plattformgröße und Dachneigung sollten dementsprechend angepasst werden.

Baumhausbau ist Leichtbau; Vermeiden Sie schwere Materialien wie flächige Steinplatten, Stahlskulpturen, Dreifachverglasungen, Harthölzer, ...

Orientierungswerte zur Eigenlast von drei verschiedenen Baumhaustypen finden Sie in folgender Tabelle; die Mittelwerte setzen sich zusammen aus Unterkonstruktion, Plattform, Geländer und Baumhaus:

Baumhaustyp Ausstattung; Region Last [kg/m²]
Einfaches Kinderspielhaus; <15m² incl. Terrasse Ungedämmt, sehr leichte Bauweise ca. 60 kg/m²
Bewohnbares Baumhaus; 15 - 25m² incl. Terrasse Leicht gedämmt, wetterfest, Glasfenster ca. 125 kg/m²
Luxusbaumhaus; 15-40m² incl. Terrasse Hervorragend gedämmt, Sanitärausstattung, Doppeltverglasung ca. 150 kg/m²

Lastverteilung - Wie werden die einzelnen Verbindungsmittel belastet?

Folgendes Beispiel zeigt eine Plattform zwischen zwei Bäumen. Wird die Plattform gleichmäßig, flächig belastet, so ergibt sich je Baum eine bestimmte "Lasteinzugsfläche" (siehe Skizze unten). Diese wird graphisch ermittelt, indem man in der Mitte zwischen den zwei Baumachsen eine lotrechte Gerade zieht:Lasteinzugsflächen - Verteilung der Last auf einzelne Verbindungsmittel

Mit Hilfe der Lasteinzugsflächen [m²] kann man die zu erwartende Last für den jeweiligen Befestigungspunkt berechnen: Last [kN] = Fläche [m²] x Flächenlast [kN/m²] mit der Flächenlast als Summe der einzelnen Lasten (Eigenlast, Verkehrslast, Sonstige Lasten).

Damit kann man gut abwägen, wo genau die Plattform positioniert werden soll, dabei sollte der massivere Baum den größeren Lastanteil tragen.

Der Baum - Wie viel Last kann ein Baum tragen?

Bäume können unglaubliche Lasten aufnehmen!

Um ein Gefühl zu bekommen: Holz hat längs der Faser eine durchschnittliche Druckfestigkeit von ca. 2kN/cm², umgerechnet 200kg/cm². Ein runder, geradwüchsiger Baumstamm, Durchmesser 40cm, kann also theoretisch eine Last von 1256cm² x 200kg = 251,2 Tonnen aufnehmen.

Die mögliche Last eines Baumhauses ergibt sich aus der maximalen Belastbarkeit der einzelnen Verbindungsmittel, diese ist je nach Befestigungsmittel 1000 - 5000kg (mehr dazu hier).

Grundsätzlich gilt es die Lasten nie vollständig auszureizen - wir empfehlen stets mit einem Sicherheitsfaktor > 2 zu arbeiten; dies beinhaltet eventuelle Fehlstellen im Holz sowie Ausnahmebelastungen wie Sturmböen, starke Schneefälle oder Personenansammlungen. Sprich, auch wenn die Schraube theoretisch 5to aufnehmen kann, sollte sie nur mit 2,5to belastet werden.

Zusammenfassung:

Wählen Sie den "Rucksack" lieber eine Nummer kleiner; anbauen und erweitern kann man das Baumhaus bei Bedarf immer noch zu einem späteren Zeitpunkt. Das Haus sollte an den Baum angepasst werden und mit ihm verschmelzen, anstatt diesen zu "erdrücken".

Das Gesamtbild sollte stets harmonisch wirken!