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Baumhaus professionell befestigen | Nagel, Schraube, Seil oder Manschette?

Sie wollen ein Baumhaus bauen, aber sind sich nicht sicher wie man das Objekt im Baum befestigt? Mit oder ohne Schrauben? In diesem Kapitel vergleichen wir die wichtigsten Befestigungsmethoden, und teilen unsere jahrelange Erfahrung als Baumhausbauer.

Eines sollte klar sein: der Baum steht an erster Stelle; er ist nicht nur die Säule die unser Baumhaus trägt, er ist vor allem ein wertvoller Organismus, den man nicht unnötig verletzen sollte. Schäden durch falsche Befestigungen treten oft erst Jahrzehnte später ans Tageslicht. Damit auch die Urgroßenkel noch Freude am Baumhaus haben, ist es essenziell, die unterschiedlichen Verbindungsmittel und deren Einsatzgebiet genau zu kennen.

1. Achtung - Nicht fachmännische Befestigungen!

Finger weg von Nägeln, normalen Holzschrauben oder Ähnlichem aus dem Baumarkt, mit einem Durchmesser < 20mm - gern gesehen bei Forstständen, kleinen Kinderspielhäusern und Kletterwäldern, aber gänzlich ungeeignet für den professionellen Baumhausbau! Diese Befestigungsmittel sind nicht ausgelegt für die hohe Wechselbelastung im Baum, und können plötzlich versagen. Wir raten streng davon ab, die Qualität der Schrauben durch Quantität zu ersetzten - der Baum dankt!

Vermeiden Sie auch klemmende Verfahren, bei denen Trägerbalken direkt an die Borke gepresst werden. Die in Kletterwäldern sehr beliebte Technik führt zu Langzeitschäden wie Quetschungen, Wachstumsbehinderung und Sollbruchstellen. An der Kontaktzone kann sich Staunässe sammeln, wodurch die Holzbalken allmählich verfaulen, und eine Schwachstelle entsteht.

Quetschungen und Einschnürungen entstehen auch durch umschlingende Seile und Stahlmanschetten, welche nicht regelmäßig nachjustiert werden. Die Folge ist eine gestörte Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes, dies kann im schlimmsten Fall zum Absterben oder Bruchversagen führen.

Eine weitere Möglichkeit ist das direkte Auflegen des Trägerbalkens auf eine Astgabel oder einen Zwiesel. Diese Konstruktion ist nur für kleiere Lasten geeignet. Die Gabelung muss sehr massiv sein. Denken Sie daran, dass es auch hier zu Quetschungen, Staunässe und Rindabrieb kommen kann.

2. Seile - Das Baumhaus abhängen

 

Eine sehr elegante, verletzungsarme Methode ist das Abhängen der Träger mittels Seil. Das System besteht aus drei Teilen:

  • Baumhalteschlaufe (auch Baumschongurt bzw. Baumpflegeschlaufe)
  • Seil & Spannschloss (Stahl bzw. Dyneema)
  • Verankerung am Trägerbalken (z.B. Ringmutter)

Die Baumhalteschlaufe wird um einen Zwiesel (am besten U-Zwiesel) oder eine stabile Astgabelung gelegt. Das Seil wird mittels Spannschloss auf Spannung gebracht. Der Ankerpunkt sollte möglichst zentral am Hauptstamm liegen, so werden die Lasten direkt in diesen eingeleitet, und die Konstruktion beginnt im Wind nicht zum schwanken. Vermeiden Sie große Hebelarme und achten Sie darauf, dass der Seilverlauf möglichst vertikal ist.

Gut geeignet sind Bäume mit einer dicken, robusten Borke (tote Rinde), z.B. Eichen und Kastanien. Weniger geeignet sind z.B. Buchen, da ihre sehr dünne Rinde wenig Abriebschutz bietet.

Baumhaus Konstruktion - Befestigung mit Seilen

 

Vorteile:

  • Keine offenen Wunden
  • Geringe Kosten
  • Sehr große Lastaufnahme bei direkter Einleitung in den Stamm (4 bis 8to)
  • Baum kann sich frei bewegen
  • Schlaufe muss nicht an Baumwachstum angepasst werden
  • Falls Quetschung, dann nur oberseitig
  • Nachträgliche Höhenanpassung über Spannschloss möglich
  • großer Planungsfreiraum
  • auch nachrüstbar

Nachteile:

  • Bei Strum schwingungsanfällig
  • Baumschlaufen wachsen u.U. mit der Zeit ein
  • Versagen von Seil, Zwiesel und Astgabel kann abrupt, ohne sichtbare Vorankündigung, geschehen (Schrauben zeigen ihr Versagen dagegen durch langsame Verformung an)
  • Seilverlauf kann störend wirken
  • Baumschlaufen müssen laut DIN alle 8 Jahre ausgetauscht werden

Anwendungsgebiet:

  • Außen liegende Astgabel & V-Zwiesel --> geringe Lasten
  • Direkt am Hauptstamm & U-Zwiesel --> große Lasten
  • Alternative zu Baumschrauben bei sehr weichen Hölzern (Weide, ...)
  • Hervorragend geeignet für temporäre Installationen

3. Seilanschlag mittels Durchbolzen

Dies ist eine von amerikanischen Baumhausbauern häufig genutzte Variante um Seile am Baum zu befestigen; auch in der Baumpflege und Baumkronensicherung wird diese Technik häufig angewendet. Dabei bohrt man ein 20-30 mm starkes Loch horizontal durch den gesamten Stamm. Anschließend schiebt man eine passende Gewindestange durch das Loch, und befestigt an einer Seite eine große Beilagscheibe & Mutter, am gegenüberliegenden Ende eine Ringmutter - diese ist der Anschlagspunkt für das Seil.

Vorteile:

  • Sehr hoher Ausziehwiderstand
  • Wird gut überwallt

Nachteile:

  • Sehr langer Bohrer nötig, schwere Handhabung
  • Kern wird durchbohrt und evtl. vorhandene Kernfäule kann sich ausbreiten

Anwendungsgebiet:

  • Leichte, horizontale Abspannungen

4. Manschetten & Schellen

Manschetten bestehen meist aus einem zweiteiligem Stahlring, welcher den Baumstamm umfasst; die Technik funktioniert ähnlich wie ein Gürtel über Anpressdruck. Seitlich sind Stahlprofile angeschweißt, an denen die Trägerkonstruktion des Baumhauses befestigt wird. Um ein Verrutschen zu Verhindern kann die Manschette zusätzlich mit Sicherungsschrauben im Baum befestigt werden. Damit der Baum nicht abgeschnürt wird, sollte die Manschette alle paar Jahre dem Dickenwachstum des Baumes anpassen werden. Interessant sind Manschetten vor allem bei allein stehenden Bäumen, deren Stammdurchmesser nicht mehr viel größer wird.

Baumhaus Verankerung mit Manschette Stahlring - klemmendes Verfahren

 

Vorteile:

  • Last wird direkt in den Stamm eingeleitet
  • Hohe Belastung möglich
  • Keine offenen Wunden (falls keine Sicherungsschrauben)

Nachteile:

  • Montage erfordert sehr viel Erfahrung
  • Teuere Sonderanfertigung
  • Mühsames Nachjustieren
  • Gefahr von flächiger Quetschung am Hauptstamm --> komplettes Leitungssystem beeinträchtigt, Sollbruchstelle

Anwendungsgebiet:

  • Baumhaus in einzelnem Baum
  • Ausgewachsener Stamm mit starker Borke
  • Als Alternative zur Seilabhängung in sehr weichen Hölzern (falls keine geeigneter Befestigungspunkt für Baumschlaufe vorhanden)
  • Baumstamm sollte sehr rund sein

5. Baumhauschraube - Das Universaltalent

Vor etwa 25 Jahren wurden in den USA die ersten Baumhausschrauben entwickelt; Ziel war es: Baumhausbauen sicherer, größer und professioneller zu machen. Grundidee der Baumhausschraube ist es, einen natürlichen Ast nachzuahmen. Die Schrauben wurden unter dem Namen "Garnier Limb" und "Treehouse Attachment Bolt" auf den Markt gebracht - so begann die Erfolgsgeschichte des modernen Baumhausbaus.

Spätere Untersuchungen an Baumhäusern und in Kletterwäldern haben ergeben, dass schraubende Verfahren dem Baum auf Dauer weniger Schaden zufügen als umschlingende und pressende Verfahren.

Die Verletzung des Baumes ist punktuell und ähnelt der eines Astausbruchs, d.h. der Baum weiß genau auf Verletzungen dieser Art zu reagieren: er versiegelt die Wunde, lagert pilzhemmende Stoffe ein, und bildet stärkeres Reaktionsholz. Der "künstliche Ast" wird Jahr für Jahr weiter umwallt, und nach einiger Zeit wird die Schraube fester Bestandteil des Baumes. (näheres zur Funktionsweise hier)

Da man eine Wunde erzeugt, sollte der Trägerbaum ein gutes Abschottungsvermögen und eine gute Wundreaktion haben. Er muss vital sein und darf im Bereich der Schraube keine Innenfäule haben (mehr zum Thema Baum(haus)biologie hier).

Baumhaus Befestigung Garnier Schraube

 

Vorteile:

  • Altbewährte, praxiserprobte Technik
  • Freies Dickenwachstum - keine Quetschungen und Einschnürungen
  • Last wird direkt in den Stamm eingeleitet --> hohe Belastbarkeit
  • Sehr wartungsarm
  • Viel Zubehör - Schrauben können nachträglich erweitert werden
  • Unabhängig von Wuchsform - viel Freiraum bei der Gestaltung
  • Ein Versagen kündigt sich langsam an, durch plastische Verformung in Holz
  • Ästhetische Nachahmung von Ast

Nachteile:

  • Tragfähigkeit lässt in weichen Hölzern nach
  • Sehr präzises Abreiten nötig - Einmal eingebracht kann man die Position und Ausrichtung der Schraube nicht mehr verändern
  • Hohe Kosten

 

6. Stelzen - auf Nummer sicher

Stelzen kommen überall zum Einsatz, wo man an Bedenken hat, an der Tragfähigkeit und der Vitalität des Baumes. Um den Baum nicht zu überlasten, ist eine Kombination aus Stelzen und anderen Befestigungsmethoden oft das einzig Sinnvolle. Je nach Dimensionierung der Stelzen können extrem hohe Lasten aufgenommen werden; das ermöglicht wiederum den Einsatz schwererer Materialien, welche gerade im Luxusbereich sehr reizvoll sind (Steinplatten, Massivholz, Badewanne,...).

Baumhaus auf Stelzen mit Punktfundamenten

 

Vorteile:

  • Einfache Montage
  • Lastaufnahme quasi unbegrenzt --> schwere Bauweise möglich
  • Der Baumstamm wird nicht verletzt
  • Stelzenhäuser können um jeden beliebigen Baum errichtet werden
  • Statisch leicht berechenbar und sehr sicher --> optimal für öffentliche Projekte
  • Keine Einwände von Naturschützern

Nachteile:

  • Kein "echtes Baumhaus"
  • Stützen und Aussteifungen stören Ästhetik
  • Wurzelschäden durch Betonfundamente
  • Kein "echtes" Baumhaus

Achtung bei der Einbringung der Fundamente! Auch wenn es im Verborgenen geschieht, sind Wurzelverletzungen mindestens genauso schlimm wie das Absägen von Ästen.

 

Fazit - Wahl der richtigen Verankerungsmethode

Wie aus der obigen Gegenüberstellung ersichtlich wird, gibt es keine "perfekte Verankerungsmethode". Jede hat ihre klaren Vor- und Nachteile. Auch wird man vor Ort nicht immer den perfekten Baum finden. Deshalb muss bei jedem Projekt vorausblickend geplant und individuell entschieden werden. Der Baum sollte ausgewachsen und gesund sein, sich frei bewegen können und das Dickenwachstum sollte mit eingeplant werden. Da die mechanischen und statischen Eigenschaften vom lebenden Baum schwer abschätzbar sind, sollten die Befestigungen nicht bis an ihre Grenzen belastet werden (Sicherheitsfaktor > 2).

Weltweit haben sich die Baumhausschrauben als die effizienteste und vielseitigste Befestigung bewährt.

Zwar sind umschlingende Methoden auf den ersten Blick baumfreundlicher, doch besteht bei ihnen stets die Gefahr einer zeitverzögerten, flächigen Einschnürung. Verletzende Methoden wirken anfangs abschreckend, sind jedoch auf lange Sicht baumschonender und sicherer. Der große Vorteil ist, dass der Baum das Stahlteil fest in seine Lebenssituation integriert. Zudem wird die Wunde - im Gegensatz zum Astausbruch - direkt versiegelt. Bäume haben über Jahrmillionen Strategien entwickelt um mit solchen Wunden umzugehen.

Befestigungsmethoden im Vergleich:

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Auswertung einer Befragung von 16 professionellen Baumhausbauern und 2 Baumbiologen (Bachelorarbeit Onja, Stand 2017):

Kriterium Seilabhängung mit Baumschlaufe Baumhausschraube (Standardmodell TAB) Durchbolzen Schelle
Schutz vor Verletzungen ++++ +++ ++ +
Einfache Montagemöglichkeit ++++ +++ ++ +
Anpassungsmöglichkeit an Dickenwachstum ++++ ++++ +++ ++
Wartungsaufwand ++ ++++ ++++ +
Kosten $ $$ $ $$$
Stabilität +++++ +++++ ++++  ++++
Sicherheit +++++ ++++ ++++ +++++